Wie kann sich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung im Alltag zeigen? Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Erfahrungen, Symptome, Beziehungen und Lebensgeschichten unterscheiden sich von Mensch zu Mensch.
Der Roman „Grenzverletzungen“ von T. A. Wegberg erzählt deshalb auch nicht die Geschichte einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Er erzählt eine mögliche Geschichte: die von Cosmo, seinem engen Freund Johannes und einer Beziehung, in der Nähe, Abhängigkeit, Konflikte und der Wunsch zu helfen immer wieder miteinander kollidieren.
Auf einen Blick
Titel: Grenzverletzungen
Autor: T. A. Wegberg
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Roman
Themen: Borderline-Persönlichkeitssstörung, Freundschaft, Selbstverletzung, Nähe, Abgrenzung
Worum geht´s?
Cosmo lebt mit seinem Freund Johannes in einer WG im heutigen Berlin. Johannes bezeichnet sich selbst als Cosmos „Erlöser“ – und allein darin steckt bereits einiges von der Dynamik, die sich durch das Buch zieht.
Über mehrere Wochen begleiten wir die beiden jungen Männer durch ihren Alltag. Dabei geht es um Freundschaft und Abhängigkeit, Nähe und Distanz, Selbstverletzung, Drogen, innere Leere und die Frage, wie viel Verantwortung ein Mensch für einen anderen übernehmen kann.
Weitere Personen kommen hinzu und verändern die Dynamik innerhalb der Gruppe. Gleichzeitig steht immer wieder die Frage im Raum, ob Cosmo bereit ist, therapeutische Hilfe anzunehmen.
„Grenzverletzungen“ ist dabei weniger eine Erklärung der Borderline-Persönlichkeitsstörung als eine Geschichte darüber, wie psychische Erkrankung, Beziehung und gegenseitige Verantwortung miteinander verwoben sein können.
Cosmo lebt mit seinem Freund Johannes in einer WG im heutigen Berlin. Johannes bezeichnet sich selbst als Cosmos „Erlöser“ – und allein darin steckt bereits einiges von der Dynamik, die sich durch das Buch zieht.
Über mehrere Wochen begleiten wir die beiden jungen Männer durch ihren Alltag. Dabei geht es um Freundschaft und Abhängigkeit, Nähe und Distanz, Selbstverletzung, Drogen, innere Leere und die Frage, wie viel Verantwortung ein Mensch für einen anderen übernehmen kann.
Weitere Personen kommen hinzu und verändern die Dynamik innerhalb der Gruppe. Gleichzeitig steht immer wieder die Frage im Raum, ob Cosmo bereit ist, therapeutische Hilfe anzunehmen.
„Grenzverletzungen“ ist dabei weniger eine Erklärung der Borderline-Persönlichkeitsstörung als eine Geschichte darüber, wie psychische Erkrankung, Beziehung und gegenseitige Verantwortung miteinander verwoben sein können.
FĂĽr wen eignet sich das Buch?
Ich würde das Buch vor allem Menschen empfehlen, die sich dem Thema Borderline einmal über einen Roman und damit über eine konkrete Lebensgeschichte nähern möchten.
Interessant kann es sowohl für Betroffene als auch für Angehörige und andere Menschen sein, die besser nachvollziehen möchten, welche Dynamiken in engen Beziehungen entstehen können.
Wichtig ist mir dabei allerdings eine Einschränkung: Cosmo steht nicht stellvertretend für Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung. Seine Geschichte zeigt eine mögliche Ausprägung – nicht mehr und nicht weniger.
Gerade das finde ich heute besonders wichtig. Eine Diagnose sagt etwas über bestimmte Symptome und Muster aus. Sie erzählt aber noch lange nicht die Geschichte eines Menschen.
Genauer hingeschaut
Als ich „Grenzverletzungen“ gelesen habe, hatte ich aufgrund des Covers zunächst mit einem deutlich schwereren und möglicherweise belastenderen Buch gerechnet. Tatsächlich ließ sich der Roman für mich überraschend leicht lesen und hat mich schnell in die Geschichte gezogen.
In Cosmo selbst habe ich mich andere Freund:innen oder Bekannte mit Borderline nur wenig wiedergefunden. Gerade das finde ich rückblickend interessant: Menschen können dieselbe Diagnose haben und trotzdem ganz unterschiedliche Erfahrungen machen, Symptome erleben und mit ihnen umgehen. Cosmo zeigt eine mögliche Lebensrealität mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung – aber eben nicht die eine.
Gut gefallen hat mir, dass seine Vergangenheit nicht ausführlich erklärt wird. Vieles bleibt im Hintergrund oder wird nur angedeutet. Einerseits hätte ich mir an manchen Stellen mehr darüber gewünscht, wie seine Erfahrungen und sein heutiges Verhalten miteinander zusammenhängen, andererseits trägt schließlich niemand die Erklärung für das eigene Verhalten ständig mit sich herum – und nicht für alles gibt es eine eindeutige Ursache.
Kritischer sehe ich das Cover. Die sichtbaren Verletzungen am Arm stellen sehr deutlich eine Verbindung zwischen Borderline und selbstverletzendem Verhalten her. Selbstverletzung kann im Zusammenhang mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung auftreten, ist aber weder gleichbedeutend mit der Diagnose noch auf sie beschränkt. Nicht jeder Mensch mit Borderline verletzt sich selbst – und nicht jeder Mensch, der sich selbst verletzt, hat Borderline.
Gerade deshalb würde ich „Grenzverletzungen“ weniger als Buch darüber lesen, wie Borderline ist. Es ist eher ein Roman, der eine Geschichte über einen einzelnen Menschen mit der Borderline-Erkrankung erzählt. Über seine Beziehungen und darüber, was passieren kann, wenn Nähe, Hilfsbereitschaft, Verantwortung und die eigenen Grenzen zunehmend miteinander verschwimmen.
Was bleibt?
„Grenzverletzungen“ gibt einen spannenden Einblick in das Zusammenleben zweier junger Männer, deren Freundschaft stark von Cosmos psychischer Erkrankung, Johannes‘ Wunsch zu helfen und einer teilweise sehr engen gegenseitigen Abhängigkeit geprägt ist.
Ich würde das Buch vor allem Menschen empfehlen, die keinen klassischen Ratgeber suchen, sondern sich über eine Geschichte mit Themen wie Borderline, Nähe und Distanz, Selbstverletzung und der Rolle von Angehörigen oder Freund beschäftigen möchten.
Was ich dabei mitnehmen wĂĽrde: Dieses Buch zeigt nicht, wie Menschen mit Borderline sind.
Es zeigt, wie das Leben eines Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung aussehen kann.
Und dieser kleine Unterschied ist ziemlich entscheidend.
Ăśber den Autor
T. A. Wegberg ist Autor, Lektor und Übersetzer. Ursprünglich wollte er Psychiatrie studieren, entschied sich später jedoch für Germanistik und Anglistik. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit engagierte er sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches auch ehrenamtlich in der Online-Beratung für Jugendliche.
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tbd
