Der Sommer 2025 war für uns bei Erste Hilfe für die Psyche ein Sommer voller Begegnungen, offener Worte und berührender Momente. Lesungen, Workshops und Diskussionen haben uns gezeigt, dass wenn wir anfangen, über psychische Gesundheit zu sprechen, entsteht Nähe. Es entsteht Verständnis. Und so oft entsteht Hoffnung.
Der Sommer, als wir in Lohne über Depression und Erste Hilfe sprachen
Im niedersächsischen Lohne wurde aus einem Raum im Industriemuseum ein Raum, um über Depression zu sprechen. Nora Fieling stellte dort ihr Buch „Depression – und jetzt? Wegweiser einer Erfahrungsexpertin“ vor, welches 2020 durch den Starks-Sture-Verlag veröffentlicht wurde. Menschen, die sich vermutlich nicht alle kannten, saßen beieinander, hörten zu, nickten, lachten an manchen Stellen, waren an anderen ganz still. Neben fachlichen Infos sprach Nora auch über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Depression und öffnete somit den Raum für einen offenen, sensiblen Austausch. Am nächsten Tag ging es im Industriemuseum mit uns weiter, denn wir gaben dort unseren Ganztagesworkshop „Erste Hilfe für die Psyche“. Wir tauchten ein in fachliche Grundinfos, praktische Übungen und tauschten uns über persönliche, wie berufliche Erfahrungen mit der Erkrankung und den Unterstützungsmöglichkeiten aus. Zwei bewegende Veranstaltungen, die spüren ließen, dass Wissen nicht nur Sicherheit schafft, sondern auch Mut, anderen beizustehen.
Der Sommer, als Berlin den Welttag der Suizidprävention beging
Seit 23 Jahren findet der Welttag zur Suizidprävention statt. Dieser Tag schafft Aufmerksamkeit, bricht Tabus und schenkt Hoffnung. In Berlin standen an dem Tag daher auf dem Breitscheidplatz viele bunte Info-Stände von Menschen und Organisationen, die sich für dieses Thema stark machen: Sei es dem Berliner Krisendienst, Jugendnotmail, U25 oder auch die Telefonseelsorge. Es entstanden Gespräche zwischen Menschen statt, die sich vorher nicht kannten – und dennoch durch das Thema Suizidalität bzw. Suizidprävention verbunden waren. Besonders eindrücklich war die Podiumsdiskussion „Suizidalität im nahen Umfeld – Angehörige zwischen Sorge und Selbstschutz“. Die Gesprächsrunde hat Markus Geißler von der Berliner Fachstelle für Suizidprävention moderiert. Mit dabei waren Vertreter:innen des ApK (Angehörige psychisch Kranker), des Krisendienstes, von BeSu (Beratung für Suizidhinterbliebene und -Angehörige) und Nora Fieling, aus unserem Team, die vor allem von ihren persönlichen Erfahrungen als Suizidüberlebende berichtet hat. Am Abend waren wir bei der Lesung von Celine Humm dabei, die ihr Buch „Suizid – Reden wir darüber“ vorstellte. Es war eine nachdenkliche Stimmung, als die Worte der Suizidhinterbliebenen den Raum füllten, die schwer und zugleich tröstlich waren.
Der Sommer, als Resilienz im Mittelpunkt stand
Wir fuhren noch einmal nach Niedersachsen, diesmal nach Friesland. Dort waren wir – genau genommen Nora – Fachreferentin beim „Tag der Selbsthilfe“. Etwa 20 Menschen, die in Selbsthilfegruppen aktiv sind kamen zusammen, um sich über Selbstfürsorge und Resilienz zu informieren, darüber auszutauschen und Praxisimpulse zu sammeln. Man spürte, wie Austausch Kraft geben kann, und dass Resilienz nicht nur eine individuelle, sondern auch eine gemeinsame Stärke ist.
Der Sommer, als Unternehmen Türen für mentalhealth-Themen öffneten
Wenige Tage später waren wir in Nordrhein-Westfalen zu Besuch, wenn auch „nur“ digital. Die Mitarbeitenden eines internationalen Unternehmens kamen zusammen, vereint in dem Wunsch, das Thema Depression besser zu verstehen. In unserem Vortrag verbanden wir Zahlen und Fakten mit persönlichen Einblicken – und genau darin lag die Kraft. Die anschließende Diskussion zeigte uns, wie offen wir über psychische Gesundheit bzw. Erkrankung sprechen können, auch wenn wir nicht alle im sozialen Bereich arbeiten. Es hat uns sehr gefreut zu spüren, dass psychische Gesundheit in diesem Unternehmen längst einen Platz gefunden hat – nicht als Randthema, sondern als selbstverständlicher Teil der Unternehmenskultur.
Insight Nora
Mich persönlich haben diese Veranstaltungen tief bewegt. Auch wenn ich in diesem Bereich nun schon fast 10 Jahre arbeite, so ist es doch immer wieder berührend, was selbst in nur 60 Minuten Gespräch passieren kann. Wenn Menschen, die einander sich nicht kennen, über so etwas persönliches wie eine psychische Erkrankung sprechen, einander Akzeptanz zeigen und Hoffnung schenken. Oder wie eben auch Menschen, die noch nie Berührungspunkte mit psychischen Erkrankungen hatten, respektvoll und ehrlich interessiert fragen, wie der Alltag damit so ist. Mir haben diese Veranstaltungen gezeigt, dass Offenheit Verbundenheit schafft. Eine Verbundenheit, die sagt: Unabhängig davon, ob Du betroffen oder angehörig bist, Du bist nicht allein. Und es macht Hoffnung zu sehen, dass wir als Gesellschaft mutiger werden, Tabus hinter uns lassen und Schritt für Schritt Stigmata abbauen. Für mich ist es ein großes Geschenk, Teil dieser Bewegung zu sein – und miterleben zu dürfen, dass wir gemeinsam etwas verändern können.
Der Sommer, als Worte Türen öffneten, ist zu Ende, aber …
… wir sind gespannt auf den Herbst, der neue Räume bereithält. Im Rahmen der bundesweiten Woche der seelischen Gesundheit bieten wir drei kostenfreie Veranstaltungen online via Zoom an, zu der wir Dich herzlich einladen:
www.seelischegesundheit.net/aktionen/aktionswoche
11.10.2025 – “Depression – und jetzt” Lesung und Gespräch mit Nora Fieling:
https://www.seelischegesundheit.net/lesung-und-gespraech-mit-nora-fieling-depression-und-jetzt/
13.10.2025 – Erste Hilfe für die Psyche – Halt geben, statt hilflos sein:
https://www.seelischegesundheit.net/erste-hilfe-fuer-die-psyche-halt-geben-statt-hilflos-sein/
19.10.2025 – Suizidgedanken verstehen statt verschweigen
https://www.seelischegesundheit.net/suizidgedanken-verstehen-statt-verschweigen/
