Motivation Erste Hilfe für die Psyche

Motivation: Warum Wollen allein nicht reicht

Manchmal ist sie scheinbar einfach da: Wir haben ein Ziel vor Augen, legen los und bleiben dran. An anderen Tagen wissen wir ganz genau, was wir eigentlich tun wollten – und schaffen es trotzdem nicht, anzufangen. Schnell heißt es dann: Mir fehlt einfach die Motivation.

Doch Motivation ist mehr als Lust, Disziplin oder Willenskraft. Die Motivationspsychologie beschäftigt sich damit, warum Menschen bestimmte Ziele verfolgen, was Verhalten in Gang bringt und wodurch es aufrechterhalten oder wieder beendet wird.

Und sie zeigt auch: Wenn wir etwas nicht tun, bedeutet das nicht automatisch, dass wir es nicht genug wollen.

Vom Motiv zur Motivation

Im Wort Motivation steckt bereits das Motiv. Vereinfacht gesagt beschreiben Motive, was Menschen dazu bewegen kann, bestimmte Ziele anzustreben oder bestimmte Situationen aufzusuchen beziehungsweise zu vermeiden.

Dabei können ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Ziele eine Rolle spielen: Wir essen, weil wir hungrig sind. Wir suchen Kontakt zu anderen Menschen, weil uns Zugehörigkeit wichtig ist. Vielleicht möchten wir beruflich etwas erreichen, eine Herausforderung bewältigen oder Anerkennung erhalten.

Hinzu kommt: Das gleiche Verhalten muss nicht bei allen Menschen aus demselben Grund entstehen.

Zwei Personen können sich beispielsweise auf dieselbe Führungsposition bewerben. Eine möchte sich beruflich weiterentwickeln und mehr Verantwortung übernehmen. Die andere möchte vor allem vermeiden, beruflich auf der Stelle zu treten. Von außen sieht das Verhalten gleich aus – die dahinterliegenden Beweggründe können sehr unterschiedlich sein.

Motivation beschreibt damit nicht einfach nur, ob wir etwas tun wollen. Sie beschäftigt sich auch mit dem Warum und Wie unseres Handelns.

Intrinsisch oder extrinsisch – ist es wirklich so einfach?

Eine der bekanntesten Unterscheidungen ist die zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. Intrinsisch motiviert ist eine Tätigkeit, wenn wir sie um ihrer selbst willen ausführen – zum Beispiel, weil sie uns interessiert oder Freude macht. Extrinsische Motivation bedeutet hingegen, dass wir etwas wegen einer von der Tätigkeit unterscheidbaren Folge tun. Das können beispielsweise Geld, eine gute Note oder Anerkennung sein.

Aber extrinsisch bedeutet nicht automatisch „fremdbestimmt“.

Die Selbstbestimmungstheorie von Richard Ryan und Edward Deci unterscheidet verschiedene Formen extrinsischer Motivation. Ein Verhalten kann ursprünglich von einem äußeren Ziel ausgehen und trotzdem zunehmend als selbstbestimmt erlebt werden.

Schauen wir uns das mal ganz praktisch an: Meine Arbeit muss mir nicht in jeder Hinsicht Freude machen, damit ich motiviert bin. Vielleicht empfinde ich sie als sinnvoll und wichtig, obwohl mich Schichtarbeit oder frühes Aufstehen nerven. Und auch ein Job, den ich liebe, besteht selten nur aus Lieblingsaufgaben: Eine Sozialarbeiterin kann die Arbeit mit Menschen als unglaublich bereichernd erleben und auf Dokumentation und Statistiken trotzdem liebend gern verzichten. Etwas kann uns also wichtig sein, ohne dass uns jeder Teil davon Spaß macht.

Motivation lässt sich deshalb nicht einfach in „von innen = gut“ und „von außen = schlecht“ einteilen. Entscheidend ist unter anderem, warum wir etwas tun und wie sehr wir hinter unserem eigenen Handeln stehen.

Warum Motivation nicht nur eine Frage des Wollens ist

„Wenn Du es wirklich willst, schaffst Du es auch.“

Solche Sätze klingen motivierend – übersehen aber einen wichtigen Punkt: Zwischen einem Ziel und seiner Umsetzung liegt mehr als der eigene Wille.

Ich kann hoch motiviert sein, regelmäßig Sport zu machen – und trotzdem keine Zeit dafür haben. Ich kann unbedingt eine Weiterbildung machen wollen – aber dennoch nicht das nötige Kleingeld dafür haben. Oder ich möchte etwas verändern, weiß aber noch garnicht, wie ich das überhaupt anfangen könnte oder sollte.

Ein hilfreiches Modell zur Betrachtung von Verhalten unterscheidet deshalb drei Voraussetzungen: Capability, Opportunity und Motivation – also Fähigkeiten bzw. Voraussetzungen, Gelegenheit und Motivation. Erst ihr Zusammenspiel ermöglicht Verhalten. Dieses sogenannte COM-B-Modell wurde ursprünglich zur Erklärung und Veränderung von Verhalten entwickelt.

Für den Alltag steckt darin eine wichtige Botschaft: Wenn etwas nicht funktioniert, muss nicht automatisch die Motivation das Problem sein. Vielleicht fehlt Wissen, vielleicht fehlen Fähigkeiten, vielleicht sind die äußeren Bedingungen ungünstig, vielleicht ist das Ziel zu groß oder zu unklar.

Oder vielleicht hat sich schlicht verändert, wie wichtig uns dieses Ziel noch ist.

Was sagt die Forschung zu Motivation?

Eine der einflussreichsten aktuellen Theorien zur Motivation ist die Selbstbestimmungstheorie von Ryan und Deci. Sie beschäftigt sich nicht nur damit, wie viel Motivation vorhanden ist, sondern auch mit welcher Qualität.

Im Mittelpunkt stehen drei psychologische Grundbedürfnisse: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit. Autonomie beschreibt dabei das Erleben, aus eigenem Willen zu handeln. Kompetenzerleben bedeutet, das wir das Gefühl haben, dass wir etwas schaffen und mit unserem Handeln etwas bewirken können. Dabei geht es nicht nur darum, welche Fähigkeiten wir tatsächlich besitzen, sondern auch darum, ob wir uns einer Aufgabe gewachsen und in unserem Handeln wirksam erleben. Soziale Eingebundenheit bezeichnet das Erleben von Zugehörigkeit und Verbindung zu anderen Menschen. Bedingungen, die diese Bedürfnisse unterstützen, können selbstbestimmte Formen der Motivation begünstigen.

Auch deshalb greift die Vorstellung zu kurz, Menschen müssten lediglich stärker motiviert werden. Motivation entsteht und verändert sich im Zusammenspiel zwischen Person, Ziel und Umgebung.

Und noch etwas ist wichtig: Nicht jede Aufgabe muss intrinsisch motiviert sein.

Wäsche zusammenlegen, eine Steuererklärung erledigen oder einen unangenehmen Termin wahrnehmen, müssen uns keine Freude bereiten. Menschen können auch Tätigkeiten engagiert verfolgen, die sie nicht um ihrer selbst willen genießen – beispielsweise, weil sie deren Bedeutung für sich erkannt haben. Die Forschung zur Selbstbestimmungstheorie unterscheidet deshalb unterschiedliche Grade der Internalisierung extrinsischer Motivation.

Aber wenn mir doch einfach die Motivation fehlt?

Wenn Du ein Ziel immer wieder vor Dir herschiebst, muss die erste Frage deshalb nicht lauten, wie Du Dich endlich mal motivieren könntest.

Vielleicht lohnt es sich zunächst herauszufinden, wo es eigentlich hakt. Du könntest Dich zum Beispiel fragen:

  • Was möchte ich konkret erreichen? Ist mein Ziel überhaupt klar?
  • Warum möchte ich das? Ist es mir selbst wichtig oder glaube ich hauptsächlich, dass ich es tun sollte?
  • Kann ich das gerade? Habe ich das Wissen, die Fähigkeiten und die Energie, die ich dafür brauche?
  • Erlauben meine Lebensumstände die Umsetzung überhaupt? Habe ich Zeit, Geld, Unterstützung oder andere notwendige Ressourcen?
  • Ist der nächste Schritt überschaubar? Oder steht vor mir gedanklich bereits das gesamte Projekt?
  • Hat sich mein Ziel vielleicht verändert? Will ich das heute überhaupt noch genauso wie zu dem Zeitpunkt, an dem ich es mir vorgenommen habe?

Und manchmal ist die Antwort tatsächlich: Nee, eigentlich will ich das nicht mehr. – Auch das kann eine wichtige Erkenntnis sein.

Perspektive einer Psychologin: Wenn ein Ziel plötzlich seinen Sinn verliert

Wer glaubt ich sei immer voller Motivation der sei gewarnt. Hell no! Eine sehr besondere Geschichte zu dem Thema möchte ich hier mit Dir teilen:

Schon seit dem Abitur 2011 hatte ich den Traum Psychologie zu studieren, jedoch verschlug es mich zunächst ins Personalwesen. Da mich mein Traum jedoch nicht losließ, beschloss ich 2017 Wirtschaftspsychologie zu studieren. Meine Motivation bestand damals darin eine bessere Qualifikation zu erhalten, um aus der Branche, in der ich damals tätig war, aussteigen zu können. Ich dachte, dies ginge nur mit einem Bachelor in Wirtschaftspsychologie. Mit diesem Ziel vor Augen und der entsprechenden Motivation zum Studium startete ich also durch.

Und dann passierte das zuvor für unmöglich Gehaltene: Nach zwei Semestern bekam ich eine Stelle in einer anderen Branche und in einer Position im Personalwesen, auch ohne den Bachelorabschluss. So stand ich da nun und fragte mich: „Wozu noch das Studium weiterführen?“. Meine Motivation entfiel. Nur des Abschlusses wegen wollte ich weder das Geld noch die Zeit und Energie in diesen Abschluss stecken. Ich hatte sowohl die Fähigkeiten und Fertigkeiten für dieses Studium, ebenso wie die Gelegenheit dazu, jedoch nicht mehr den Willen.

So kam irgendwann der Punkt (in Kombination mit anderen Faktoren), an dem ich entschied das Studium abzubrechen und zugleich war meine Motivation zum Psychologiestudium umso stärker. Und diese nahm nie ab. Ja, nicht einmal, als ich mich im Master zwei Semester mit Statistik herumärgern musste. Zu den Fähigkeiten und Fertigkeiten, sowie der Gelegenheit zur Umsetzung, war nun also der Wille wieder voll da. So stehe (oder vielmehr sitze) ich nun hier und kann Dir als Psychologin diesen Blogbeitrag schreiben.

In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Motivation für all Deine Ziele!

Auf einen Blick

🧠 Kurz erklärt

Motivation beschreibt Prozesse, die beeinflussen, warum wir ein Verhalten beginnen, auf ein Ziel ausrichten und aufrechterhalten. Dabei geht es nicht nur darum, wie stark wir motiviert sind, sondern auch darum, warum wir etwas tun.

💡 Gut zu wissen

  • Intrinsisch bedeutet, eine Tätigkeit um ihrer selbst willen auszuführen. Extrinsische Motivation bezieht sich auf Folgen oder Ziele, die von der Tätigkeit unterscheidbar sind – sie muss deshalb nicht automatisch fremdbestimmt sein.

  • Fehlende Umsetzung bedeutet nicht automatisch fehlende Motivation. Auch Fähigkeiten, Ressourcen und äußere Möglichkeiten können beeinflussen, ob Verhalten zustande kommt.

  • Motivation kann sich verändern. Wenn ein Ziel seine persönliche Bedeutung verliert, kann es sinnvoller sein, das Ziel neu zu betrachten, statt ausschließlich nach mehr Disziplin zu suchen.

  • Nicht alles, was wir tun müssen oder möchten, muss uns Spaß machen. Auch persönlich bedeutsame Ziele können eine starke Grundlage für selbstbestimmtes Handeln sein.

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Quellen

Die Person hinter diesem Beitrag

Lisa Hartmann ist Psychologin (M.Sc.) und befindet sich in der Ausbildung zur Psychotherapeutin mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie. In ihren Beiträgen verbindet sie psychologisches Fachwissen und Erfahrungen aus der psychotherapeutischen Arbeit mit einer persönlichen Perspektive auf psychische Gesundheit.

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